Sie sind hier: Startseite

Was ist Freundschaft?

Freundschaft – jeder Mensch wünscht sie sich, sucht nach wahrer Freundschaft, braucht echte Freunde. Manche behaupten über 500 Freunde bei Facebook zu haben; andere sagen, eine Handvoll guter Freunde reiche für das Leben. Was also ist Freundschaft?

Definition und Freundschaft

In Meyers großen Taschenlexikon wird die Freundschaft als „Form sozialer Beziehungen zwischen zwei oder mehreren Partnern definiert, die bes. durch gegenseitige Anziehung (Sympathie) und ein Verhältnis persönlichen Vertrauens bestimmt ist“. Weiterhin wird in Abgrenzung von Zweckbündnissen die „Hilfs- und Opferbereitschaft und freiwillige Verantwortung für den anderen“ bei einer Freundschaft betont.

Freundschaft in der Philosophie

Der griechische Philosoph Aristoteles (384-322 v. Chr., Schüler Platons und Erzieher von Alexander dem Großen) sagte über die Freundschaft: „Eine vollkommene Freundschaft gibt es nur zwischen guten und an Rechtschaffenheit sich gleichstehenden Menschen“. Wahre Freunde können seiner Ansicht also nur moralisch verantwortungsvolle und einander ebenbürtige Partner sein.

Die Bibel und die Freundschaft

Auch die Bibel ist voll des Lobes über die Freundschaft. Im Alten Testament heißt es im Buch Jesus Sirach, einem Weisheitslehrer des 2. Jhs v. Chr.: „Ein treuer Freund ist wie ein festes Zelt; wer einen solchen findet, hat einen Schatz gefunden. Für einen treuen Freund gibt es keinen Preis, nichts wiegt seinen Wert auf. Das Leben ist geborgen bei einem treuen Freund, ihn findet, wer Gott fürchtet.“ (Sir 6,14-16)

Freundschaft aus der Sicht der Dichter

Dichter aller Zeiten und Länder haben über die Freundschaft geschrieben. Ihre geflügelten Worte sind heute überall nachzulesen. Berühmt ist die Freundschaft der beiden großen deutschen Dichter Wolfgang Goethe und Friedrich Schiller, die zu einer gegenseitigen künstlerischen Befruchtung führte, deren Ergebnisse wir heute als „Klassik“ bezeichnen.

Stellvertretend für die umfangreiche Dichtung zum Thema Freundschaft sei hier ein Gedicht des schwäbischen Dichters Ludwig Eichrodt (1827-1892) aus der Zeit des Biedermeiers genannt:

Freundschaft

Was aber hätt ich von dieser Welt,
Und hätt ich, was ich wünscht, im Nu,
Was Herz erwärmt und Geist erhellt,
Und hätt keinen Freund dazu?

Was hätt ich von aller Liebe gar,
Was hätt ich von dem funkelnden Wein,
Wenn Alles, was süß mir ist und war,
Nur blühte für mich allein?

Was wollt ich mit der schwellenden Brust
Und schütte sie arglos nimmer aus?
Vergrabenes Leid, verschlossene Lust,
Das ist der Seelengraus.

Der Alles überdauern muss,
Wenn dir so manche Blüte geknickt,
Das ist des Geistes kräftiger Genuss,
Der ewig verjüngt, erquickt.

Es ist allein der liebende Freund,
Der Einen ganz und gar versteht,
Der mitgelacht und mitgeweint,
Geerntet, was mitgesät.

Dann erst, o dann, geschähs einmal,
Da würd es einsam in dir und leer,
Wenn deine Freunde wegstürben all,
Würde dirs Leben schwer.

Der Zyniker Wilhelm Busch (1832-1908) geht das emotional aufgeladene Thema „Freundschaft“ auf seine Art humoristisch-nüchtern an:

Es ist halt schön,
Wenn wir die Freunde kommen sehn.
Schön ist es ferner, wenn sie bleiben
Und sich mit uns die Zeit vertreiben.
Doch wenn sie schließlich wieder gehen.
Ist´s auch recht schön.